» Karneval
Unter dem Motto „Karneval instandgesetzt“ rief 1984 eine Kölner Studentengruppe eine Initiative ins Leben, die dem traditionellen Sitzungskarneval die Stirn bieten wollte. Die „Stunksitzung“ war geboren und haute ordentlich auf den Putz. Zum 25-jährigen Jubiläum der stets ausverkauften Veranstaltung erlaubt das Kölnische Stadtmuseum bis zum 11. April einen umfangreichen Rückblick.

750 Stunksitzungen in einem Vierteljahrhundert, und bei keiner blieb auch nur ein Platz unbesetzt – ein Erfolgsmodell, das zunächst einmal als Protest gedacht war. Die Initiatoren unterwanderten das traditionelle Sitzungskonzept mit kabarettistischen Elementen und boten jede Menge Anarchie. Immer im Fokus: Klüngel und Kirche. Legendär ist etwa Jürgen Beckers Kardinal-Meisner-Rede aus der Session 1992/93. [...mehr]
Nach der Session ist vor der Session. In Köln herrscht eigentlich irgendwie immer Karneval, denn wenn am Aschermittwoch auch offiziell erstmal Pause ist, planen die Vereine und Veranstalter schon wieder für den nächsten 11.11. Wichtigste Anlaufstelle ist hierbei die Messe InterKarneval. Begleitet wird sie auch 2010 wieder von den Deutschen Meisterschaften der Männerballette.

Vom 25. bis 27. Juni gibt es nach 4 Monaten Durststrecke – endlich, wie so mancher Kölner sicher hinzufügen mag – wieder Karneval satt. Bis zum Sessionsbeginn ist dann zwar noch eine Weile hin, der wichtigste Branchentreff jedoch setzt diese kaum zu ertragende Tatsache vorübergehend außer Kraft. Die „Erlebnismesse für Karneval und Brauchtum“ in den Kölner Messehallen zeigt bereits zur Jahresmitte die Trends und Neuheiten der kommenden Session. [...mehr]
Für Zugereiste ein echtes Phänomen: Beginnend mit dem 11.11. scheint ganz Köln Kopf zu stehen. Richtig schlimm wird es dann zu Weiberfastnacht, und bis Aschermittwoch befindet sich Stadt gänzlich im Ausnahmezustand. Eine Art Karnevalsguide für Einsteiger hat WDR-Moderatorin Christine Westermann nun zusammen mit Fotograf Stefan Worring vorgelegt.

Für den gebürtigen Kölner ist Karneval so natürlich wie der Wechsel von Ebbe und Flut. Wer allerdings von außen auf das bunte Treiben blickt, darf sich schon mal wundern, wie eine ganze Stadt quasi von heute auf morgen alle Regeln über Bord schmeißt und dabei doch völlig friedlich bleibt. Wer also könnte das rheinische Jeckentum dem Außenstehenden besser erklären als jemand, der zwar selber kein Einbeborener ist, aber das Phänomen seit Jahren vor Ort erkundet? [...mehr]
Bislang waren Wolfgang Niedecken und der Kölner Karneval – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – einander spinnefeind. Umso überraschender wurde seine Bereitschaft aufgenommen, für den kommenden Rosenmontagszug zwei Wagenmotive mit politischem Hintergrund zu entwerfen.
Im Allgemeinen haben Karnevalshasser immer gerne mitgesungen, wenn BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken intonierte, er bliebe „nit för Kooche“ an Karneval in Köln. Heute glättet er die Wogen und betont, das Lied seie in einem bestimmten Zusammenhang und zu einer ganz anderen Zeit entstanden. Als Kind habe er am Severinstor immer den Rosenmontagszug bestaunt und selber einmal als Karnevalsprinz auf der Bühne gestanden. Kann man sich mehr zu seiner Heimatstadt bekennen? Kaum. [...mehr]
Nach 17 Veranstaltungsjahren verschwindet mit der laufenden Session eine echte Kölner Traditionsveranstaltung von der närrischen Bühne. Die Kinderstunksitzung bot den jüngeren Jecken über anderthalb Jahrzehnte hinweg viel Spaß ohne pädagogischen Zeigefinger. Wachsende Kosten haben die Veranstalter nun zum Aufgeben gezwungen.
„Die erste Karnevalssitzung von Pänz für Pänz“ erblickte das Licht der karnevalistischen Welt im Jahr 1994. Die Paten der guten Idee stammten zum großen Teil aus den Machern der „Stunksitzung“ um Jürgen Becker, und so war auch der Name bereits beschlossene Sache. Die „Kinderstunksitzung“ sollte für 17 Jahre zum festen Bestandteil des Kölner Karnevals werden.
Das Konzept blieb im Wesentlichen immer gleich. Wie bei den Sitzungen der Erwachsenen gab es jedes Jahr einen Elferrat mit Präsident, der dem lustigen Geschehen auf der Bühne vorstand. Sketche, Akrobatik, Live-Musik: alles, was zu einer echten Sitzung gehört, war auch hier vertreten, nur eben zugeschnitten auf ein junges Publikum. [...mehr]
Eine offizielle Spendenaktion des Festkomitees Kölner Karnval für die Opfer der großen Naturkatastrophe in Haiti ist fraglos eine erfreuliche Sache. Damit die gute Intention jedoch nicht unter all den vielen derzeitigen Spendenaufrufen für denselben Zweck untergeht, müssen die Karnevalsvereine und Künstler mitmachen. Eine Initiationsspende von 1.111 Euro machte den (bescheidenen) symbolischen Anfang.

Während des ersten Irak-Krieges wurde der Karneval am Rhein noch auf ein Minimum reduziert. Auf einem Teil der Erde zu feiern, während anderorts Menschen um ihr Leben kämpfen, schien vielen politisch nicht korrekt zu sein. Dazu kann man stehen, wie man will. Inzwischen ist man weniger rigide, will aber dennoch während der Wochen, in denen die Karnevalisten ernste Themen lieber zur Seite schieben, die Ereignisse in Haiti nicht ganz außen vor lassen. Eine offizielle Spendenaktion des Festkomitees soll hier seinen Beitrag leisten. [...mehr]
Der offizielle Kölner Karneval als reine Männerdomäne? Mitnichten. Seit 1999 besteht unter dem Namen „Colombina Colonia“ die 1. Kölner Damenkarnevalsgesellschaft (oder kurz: KG). Dass Männer aber selbstverständlich nicht außen vor gelassen werden, belegt vor allem seit 2009 die von den Colombinen ausgerichtete Herrensitzung.
Funkemariechen und ein paar Stimmungssängerinnen – mehr sollten Frauen nicht zu sagen haben im Kölner Karneval? Wenn sogar die Jungfrau im Dreigestirn von einem Mann besetzt wird, sind die weiblichen Jecken offenbar unterrepräsentiert. So oder ähnlich haben vermutlich auch die „Kölner Karnevalistinnen“ gedacht, die vor mittlerweile schon fast 11 Jahren zusammentrafen, um den „1. Kölner Damen-KG Colombina Colonia e.V.“ zu gründen. [...mehr]
Gerne sehen die Kölner ihren Karneval als unpolitische Veranstaltung und verhöhnen die Obrigkeit unter dem Schutz der Narrenkappe nach allen Regeln der Kunst. Dass die nationalsozialistischen Machthaber sich das bunte treiben am Rhein jedoch ausgiebig zunutze gemacht haben, will man lieber gar nicht erst glauben. Ein neues Buch untersucht nun das ungute Verhältnis zwischen „Alaaf und Heil Hitler“.
Die ideologische Instrumentaliserung von Volksfesten und Bräuchen ist in Diktaturen strategischer Standard. Was nicht verboten ist, wird sich zunutze gemacht. Bekanntlich war dem NS-Regime alles hilfreich, was einheitsstiftend und heimatverbunden daherkam. Keine Ausnahme bildete dabei der Kölner Karneval.
Wie sich jetzt in der ebenso erschreckenden wie erhellenden Studie der Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld unter dem Titel „Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich“ nachlesen lässt, hatten die nationalsozialistischen Machthaber die höchsten Feiertage der Kölner mitsamt allen Bräuchen fest im Griff. [...mehr]
Ausgerechnet von einem Bonner müssen sich die Kölner sagen lassen, dass sie sich bisher über die Ursprünge ihres geliebten Karnevals geirrt haben. Der Historiker und Landeskundler Wolfgang Herborn legte jetzt unter dem Titel „Die Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600“ eine Studie vor, die belegt, dass der Rosenmontag nicht immer der wichtigste Feiertag der Jecken war.
Wie verlustreich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs tatsächlich war, zeigt eine jüngst erschienene Untersuchung zu den Ursprüngen des rheinischen Karnevals. Die zum Teil neuen Erkenntnisse, die nun in einer Publikation des Kölnischen Stadtmuseums vorliegen, beruhen auf ausführlichen Recherchen, die heute, nachdem alles historische Material in Schutt und Asche liegt oder irgendwo zwischengelagert ist, nicht mehr möglich wären. [...mehr]
Karneval wie zur Zeit der römischen Besatzer – das ist, was das Festkomitee den Kölnern für den kommenden Rosenmontagszug verspricht. Dafür soll eine spezielle Tribüne unter dem sponsorlastigen Namen „Intrum Justitia Colosseum“ am Heumarkt sorgen. Die überdachten Sitzplätze sind jedoch alles andere als günstig. Rund 65 Euro muss man mindestens hinblättern.

Na klar, es geht um die qualitative Verbesserung und optimierte Familienfreundlichkeit des Rosenmontagszuges, und nicht etwa um eine weitere Gelegenheit, dem Kölner am höchsten Feiertag der Karnevalssession noch ein paar Euro mehr aus der Tasche zu ziehen. Mehr freie und kostenlose Flächen entlang des Zugweges wollte man seitens des „Festkomitees Kölner Karneval von 1823“ ermöglichen, als man beschloss, die Anzahl der Tribünen zu verringern und verstärkt auf den Heumarkt zu konzentrieren. [...mehr]


