» Karneval


Autor: Thomas

Bislang waren Wolfgang Niedecken und der Kölner Karneval – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – einander spinnefeind. Umso überraschender wurde seine Bereitschaft aufgenommen, für den kommenden Rosenmontagszug zwei Wagenmotive mit politischem Hintergrund zu entwerfen.

Im Allgemeinen haben Karnevalshasser immer gerne mitgesungen, wenn BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken intonierte, er bliebe „nit för Kooche“ an Karneval in Köln. Heute glättet er die Wogen und betont, das Lied seie in einem bestimmten Zusammenhang und zu einer ganz anderen Zeit entstanden. Als Kind habe er am Severinstor immer den Rosenmontagszug bestaunt und selber einmal als Karnevalsprinz auf der Bühne gestanden. Kann man sich mehr zu seiner Heimatstadt bekennen? Kaum.    [...mehr]



Autor: Thomas

Nach 17 Veranstaltungsjahren verschwindet mit der laufenden Session eine echte Kölner Traditionsveranstaltung von der närrischen Bühne. Die Kinderstunksitzung bot den jüngeren Jecken über anderthalb Jahrzehnte hinweg viel Spaß ohne pädagogischen Zeigefinger. Wachsende Kosten haben die Veranstalter nun zum Aufgeben gezwungen.

„Die erste Karnevalssitzung von Pänz für Pänz“ erblickte das Licht der karnevalistischen Welt im Jahr 1994. Die Paten der guten Idee stammten zum großen Teil aus den Machern der „Stunksitzung“ um Jürgen Becker, und so war auch der Name bereits beschlossene Sache. Die „Kinderstunksitzung“ sollte für 17 Jahre zum festen Bestandteil des Kölner Karnevals werden.

Das Konzept blieb im Wesentlichen immer gleich. Wie bei den Sitzungen der Erwachsenen gab es jedes Jahr einen Elferrat mit Präsident, der dem lustigen Geschehen auf der Bühne vorstand. Sketche, Akrobatik, Live-Musik: alles, was zu einer echten Sitzung gehört, war auch hier vertreten, nur eben zugeschnitten auf ein junges Publikum.    [...mehr]



Autor: Thomas

Eine offizielle Spendenaktion des Festkomitees Kölner Karnval für die Opfer der großen Naturkatastrophe in Haiti ist fraglos eine erfreuliche Sache. Damit die gute Intention jedoch nicht unter all den vielen derzeitigen Spendenaufrufen für denselben Zweck untergeht, müssen die Karnevalsvereine und Künstler mitmachen. Eine Initiationsspende von 1.111 Euro machte den (bescheidenen) symbolischen Anfang.

Während des ersten Irak-Krieges wurde der Karneval am Rhein noch auf ein Minimum reduziert. Auf einem Teil der Erde zu feiern, während anderorts Menschen um ihr Leben kämpfen, schien vielen politisch nicht korrekt zu sein. Dazu kann man stehen, wie man will. Inzwischen ist man weniger rigide, will aber dennoch während der Wochen, in denen die Karnevalisten ernste Themen lieber zur Seite schieben, die Ereignisse in Haiti nicht ganz außen vor lassen. Eine offizielle Spendenaktion des Festkomitees soll hier seinen Beitrag leisten.    [...mehr]



Autor: Thomas

Der offizielle Kölner Karneval als reine Männerdomäne? Mitnichten. Seit 1999 besteht unter dem Namen „Colombina Colonia“ die 1. Kölner Damenkarnevalsgesellschaft (oder kurz: KG). Dass Männer aber selbstverständlich nicht außen vor gelassen werden, belegt vor allem seit 2009 die von den Colombinen ausgerichtete Herrensitzung.

Funkemariechen und ein paar Stimmungssängerinnen – mehr sollten Frauen nicht zu sagen haben im Kölner Karneval? Wenn sogar die Jungfrau im Dreigestirn von einem Mann besetzt wird, sind die weiblichen Jecken offenbar unterrepräsentiert. So oder ähnlich haben vermutlich auch die „Kölner Karnevalistinnen“ gedacht, die vor mittlerweile schon fast 11 Jahren zusammentrafen, um den „1. Kölner Damen-KG Colombina Colonia e.V.“ zu gründen.    [...mehr]



Autor: Thomas

Gerne sehen die Kölner ihren Karneval als unpolitische Veranstaltung und verhöhnen die Obrigkeit unter dem Schutz der Narrenkappe nach allen Regeln der Kunst. Dass die nationalsozialistischen Machthaber sich das bunte treiben am Rhein jedoch ausgiebig zunutze gemacht haben, will man lieber gar nicht erst glauben. Ein neues Buch untersucht nun das ungute Verhältnis zwischen „Alaaf und Heil Hitler“.

Die ideologische Instrumentaliserung von Volksfesten und Bräuchen ist in Diktaturen strategischer Standard. Was nicht verboten ist, wird sich zunutze gemacht. Bekanntlich war dem NS-Regime alles hilfreich, was einheitsstiftend und heimatverbunden daherkam. Keine Ausnahme bildete dabei der Kölner Karneval.

Wie sich jetzt in der ebenso erschreckenden wie erhellenden Studie der Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld unter dem Titel „Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich“ nachlesen lässt, hatten die nationalsozialistischen Machthaber die höchsten Feiertage der Kölner mitsamt allen Bräuchen fest im Griff.    [...mehr]



Autor: Thomas

Ausgerechnet von einem Bonner müssen sich die Kölner sagen lassen, dass sie sich bisher über die Ursprünge ihres geliebten Karnevals geirrt haben. Der Historiker und Landeskundler Wolfgang Herborn legte jetzt unter dem Titel „Die Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600“ eine Studie vor, die belegt, dass der Rosenmontag nicht immer der wichtigste Feiertag der Jecken war.

Wie verlustreich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs tatsächlich war, zeigt eine jüngst erschienene Untersuchung zu den Ursprüngen des rheinischen Karnevals. Die zum Teil neuen Erkenntnisse, die nun in einer Publikation des Kölnischen Stadtmuseums vorliegen, beruhen auf ausführlichen Recherchen, die heute, nachdem alles historische Material in Schutt und Asche liegt oder irgendwo zwischengelagert ist, nicht mehr möglich wären.    [...mehr]



Autor: Thomas

Karneval wie zur Zeit der römischen Besatzer – das ist, was das Festkomitee den Kölnern für den kommenden Rosenmontagszug verspricht. Dafür soll eine spezielle Tribüne unter dem sponsorlastigen Namen „Intrum Justitia Colosseum“ am Heumarkt sorgen. Die überdachten Sitzplätze sind jedoch alles andere als günstig. Rund 65 Euro muss man mindestens hinblättern.

Na klar, es geht um die qualitative Verbesserung und optimierte Familienfreundlichkeit des Rosenmontagszuges, und nicht etwa um eine weitere Gelegenheit, dem Kölner am höchsten Feiertag der Karnevalssession noch ein paar Euro mehr aus der Tasche zu ziehen. Mehr freie und kostenlose Flächen entlang des Zugweges wollte man seitens des „Festkomitees Kölner Karneval von 1823“ ermöglichen, als man beschloss, die Anzahl der Tribünen zu verringern und verstärkt auf den Heumarkt zu konzentrieren.    [...mehr]



Autor: Thomas

„Weihnachten ist schön. Nur während der Session stört es“, meint der Kölner Kabarettist Jürgen Becker und könnte die Mentalität seiner Stadt kaum besser beschreiben. Wenn nur das ganze Jahr Session wäre, und man sich um nichts anderes scheren müsste! Geht aber leider nicht? Geht doch. Und zwar im Karnevalsmuseum im Stadtteil Braunsfeld.

Da können die Düsseldorfer und Mainzer sagen, was sie wollen, die Hochburg des Karnevals hierzulande ist und bleibt nun einmal Köln. 160 Karnevalsgesellschaften, über 500 Sitzungen im Jahr, lässige 1,3 Millionen Besucher beim Rosenmontagszug – wer will das toppen? Dass allerdings bereits die römischen Besatzer auf dem städtischen Boden karnevalsähnliche Feste gefeiert haben, weiß nur der Insider.    [...mehr]



Autor: Thomas

1. Kölner Zoo-Sitzung„Alles för de Dierche“ lautet das Motto der ersten Kölner Zoo-Sitzung, die von den Altstädtern Köln 1922 e.V. ausgerichtet wird. Was als Benefizveranstaltung gedacht ist, soll zugleich den 150. Geburtstag des Tierparks feiern. Kostüme mit „tierischem“ Bezug sind dabei nicht nur erwünscht, sondern werden sogar prämiert.

Im Kristallsaal der Kölnmesse findet sich am 15. Januar 2010 so ziemlich alles ein, was im Kölner Karneval aktiv ist. Höhner, Räuber und natürlich das Dreigestirn schauen vorbei, wenn es darum geht, bei Alaaf, Kölsch und Schunkelattacken dafür zu sorgen, dass genügend Geld zusammenkommt, um das Südamerikahaus des Kölner Zoos zu sanieren. Das Gebäude aus dem Jahr 1899 hat es dringend nötig, und so kommen die Reinerlöse aller Eintrittskarten eben diesem Zweck zugute.

Über 1200 Besucher werden erwartet, aber das sollte auch das Mindeste sein. Schließlich geht es neben dem Charity-Gedanken auch darum, das 150-jährige Jubiläum des Zoos zu feiern und ganz nebenbei das zu tun, was den Kölner ohnehin das Liebste ist: Jeck sein. Wer zudem im Tierkostüm kommt, zeigt nicht nur nach außen seine Verbundenheit mit dem Jubilar, sondern kann auch einen Preis gewinnen. Die schönsten Verkleidungen werden im Verlauf des Abends prämiert.    [...mehr]



Autor: Thomas

Wer den traditionellen Kölner Karneval zu dumm, spießig oder sonstwie unsympathisch findet, aber trotzdem nicht so ganz auf das närrische Treiben in der Domstadt verzichten will, der findet in der sogenannten „Stunksitzung“ eine echte Alternative. Bitterböse geht es dort zuweilen zu, und so klinkte sich auch schon einmal der WDR zensierend in die TV-Übertragung ein. Für die kommende Session sind derzeit noch Karten erhältlich.

1983 schlossen sich Studenten der Kölner Fachhochschule zusammen, um ein Alternativprogramm zum bieder organisierten Sitzungskarneval ins Leben zu rufen. Dass sie damit ein immenses Erfolgsmodell etablieren würden, war damals vermutlich keinem der Beteiligten klar. Am 26. Februar des Folgejahres gab es in der Alten Mensa der Uni zum ersten Mal jene respektlose Veranstaltung zu sehen, die bis heute unter dem Namen „Stunksitzung“ bekannt ist und inzwischen genauso zum Kölner Karneval gehört wie der Rosenmontagszug.    [...mehr]


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